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Recht auf Vergessenwerden: So Stellen Sie den Antrag Richtig

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Lunyb Sicherheitsteam
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Ihre persönlichen Daten kursieren im Internet, obwohl Sie das längst nicht mehr möchten? Ein alter Zeitungsartikel, ein peinliches Foto oder ein überholter Suchmaschineneintrag – das Recht auf Vergessenwerden nach Artikel 17 DSGVO gibt Ihnen die Möglichkeit, die Löschung dieser Daten zu verlangen. In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie einen Antrag auf Vergessenwerden korrekt stellen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie Sie im Ablehnungsfall vorgehen.

Was ist das Recht auf Vergessenwerden?

Das Recht auf Vergessenwerden (auch Recht auf Löschung genannt) ist in Artikel 17 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verankert. Es verpflichtet Unternehmen und Suchmaschinen, personenbezogene Daten unverzüglich zu löschen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Damit erhalten betroffene Personen die Kontrolle über ihre digitale Identität zurück.

Das Recht wurde 2014 durch das wegweisende EuGH-Urteil im Fall Google Spain begründet und später mit Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 gesetzlich verankert. Seither können Bürger der EU verlangen, dass ihre Daten aus Suchergebnissen, Datenbanken oder Webseiten entfernt werden.

Wer kann sich auf dieses Recht berufen?

Grundsätzlich kann jede natürliche Person, deren personenbezogene Daten verarbeitet werden, einen Löschantrag stellen. Dies gilt für:

  • Privatpersonen aus der EU und dem EWR
  • Personen mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder anderen DSGVO-Ländern
  • In eingeschränktem Umfang auch für Nicht-EU-Bürger, wenn EU-Datenschutzrecht anwendbar ist

Wann besteht ein Anspruch auf Löschung?

Nach Art. 17 Abs. 1 DSGVO haben Sie einen Löschungsanspruch, wenn mindestens einer der folgenden Gründe vorliegt:

  1. Zweckwegfall: Die Daten sind für die ursprünglichen Zwecke nicht mehr notwendig.
  2. Widerruf der Einwilligung: Sie haben Ihre Einwilligung zurückgezogen und es gibt keine andere Rechtsgrundlage.
  3. Widerspruch: Sie legen Widerspruch gegen die Verarbeitung ein und es liegen keine überwiegenden berechtigten Gründe vor.
  4. Unrechtmäßige Verarbeitung: Die Daten wurden ohne Rechtsgrundlage verarbeitet.
  5. Rechtliche Verpflichtung: Die Löschung ist zur Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung erforderlich.
  6. Daten von Kindern: Die Daten wurden im Rahmen von Diensten für Kinder erhoben.

Wann besteht KEIN Löschungsanspruch?

Nicht in allen Fällen können Sie eine Löschung durchsetzen. Ausnahmen gelten nach Art. 17 Abs. 3 DSGVO, wenn die Verarbeitung erforderlich ist für:

  • Die Ausübung der Meinungs- und Informationsfreiheit
  • Die Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung (z. B. steuerliche Aufbewahrungspflichten)
  • Aufgaben im öffentlichen Interesse
  • Wissenschaftliche, historische oder statistische Zwecke
  • Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen

Recht auf Vergessenwerden Antrag: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Ein Antrag auf Vergessenwerden muss keine bestimmte Form haben – er sollte jedoch strukturiert und nachvollziehbar sein. Folgen Sie diesen Schritten:

Schritt 1: Verantwortlichen identifizieren

Finden Sie zunächst heraus, wer für die Datenverarbeitung verantwortlich ist. Dies ist meist im Impressum oder in der Datenschutzerklärung der Webseite angegeben. Bei Suchmaschinen ist der Betreiber (z. B. Google, Bing) verantwortlich für die Anzeige in den Suchergebnissen – der Inhalt selbst liegt jedoch beim Webseitenbetreiber.

Schritt 2: Beweise sammeln

Dokumentieren Sie die betroffenen Inhalte:

  • Screenshots der Webseite oder Suchergebnisse
  • Exakte URLs der zu entfernenden Inhalte
  • Datum und Uhrzeit der Feststellung
  • Begründung, warum die Daten Sie betreffen

Schritt 3: Antrag formulieren

Der Antrag sollte folgende Elemente enthalten:

  1. Ihre vollständigen Kontaktdaten
  2. Eindeutige Identifikation der betroffenen Daten (URLs, Inhalte)
  3. Rechtsgrundlage (Art. 17 DSGVO)
  4. Begründung des Löschungsgrundes
  5. Angemessene Frist (in der Regel ein Monat)
  6. Bitte um schriftliche Bestätigung

Schritt 4: Antrag versenden

Senden Sie den Antrag am besten per E-Mail an den Datenschutzbeauftragten oder das dedizierte Datenschutz-Postfach. Bei kritischen Fällen empfiehlt sich zusätzlich ein Einschreiben mit Rückschein zur Beweissicherung.

Schritt 5: Frist überwachen

Nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO muss der Verantwortliche innerhalb eines Monats reagieren. Diese Frist kann in Ausnahmefällen um zwei weitere Monate verlängert werden, was Ihnen jedoch mitgeteilt werden muss.

Musterschreiben für den Löschantrag

Hier ein bewährtes Muster, das Sie an Ihre Situation anpassen können:

Betreff: Antrag auf Löschung personenbezogener Daten gemäß Art. 17 DSGVO

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit mache ich von meinem Recht auf Löschung nach Artikel 17 der Datenschutz-Grundverordnung Gebrauch und beantrage die vollständige Löschung meiner personenbezogenen Daten, die auf folgender/n URL(s) verarbeitet werden:

[Vollständige URLs auflisten]

Meine Daten werden dort in folgendem Zusammenhang verarbeitet: [Beschreibung].

Der Löschungsanspruch ergibt sich aus Art. 17 Abs. 1 lit. [a/b/c/d] DSGVO, da [Begründung, z. B. "der ursprüngliche Zweck der Verarbeitung entfallen ist"].

Ich bitte um schriftliche Bestätigung der Löschung innerhalb der gesetzlichen Frist von einem Monat gemäß Art. 12 Abs. 3 DSGVO.

Zur Identifikation füge ich [Kopie Personalausweis mit geschwärzten unnötigen Daten] bei.

Mit freundlichen Grüßen
[Name, Adresse, Datum]

Antrag bei Google und anderen Suchmaschinen stellen

Suchmaschinen wie Google, Bing und DuckDuckGo bieten spezielle Online-Formulare für Löschanträge an. Diese sind der schnellste Weg, unerwünschte Suchergebnisse entfernen zu lassen.

Google-Löschformular

Google stellt unter dem Suchbegriff "Google Datenschutz-Löschantrag" ein spezielles Formular bereit. Sie benötigen:

  • Ihren vollständigen Namen
  • Kontakt-E-Mail-Adresse
  • URLs der zu entfernenden Suchergebnisse
  • Suchbegriffe, unter denen die Ergebnisse erscheinen
  • Begründung, warum die Ergebnisse entfernt werden sollen
  • Identitätsnachweis (Ausweiskopie)

Wichtig zu wissen

Google und andere Suchmaschinen nehmen eine Interessenabwägung vor. Prominente Personen oder Personen des öffentlichen Interesses haben es schwerer, Löschungen durchzusetzen, wenn die Informationen von öffentlichem Interesse sind. Zudem werden Ergebnisse in der Regel nur für EU-Domains (google.de, google.fr etc.) entfernt, nicht weltweit.

Vergleich: Löschantrag bei verschiedenen Diensten

Dienst Antragsweg Bearbeitungszeit Erfolgsquote
Google Suche Online-Formular 2–8 Wochen ca. 50 %
Bing Online-Formular 4–12 Wochen ca. 40 %
Facebook/Meta Hilfebereich + Formular 1–4 Wochen hoch (bei eigenen Daten)
Zeitungsarchive Direkte Anfrage per E-Mail 2–8 Wochen gering (Pressefreiheit)
Bewertungsportale E-Mail + rechtliche Prüfung 4–12 Wochen mittel
Kleine Webseiten E-Mail an Betreiber 1 Monat (gesetzlich) variabel

Was tun bei Ablehnung des Antrags?

Wird Ihr Antrag abgelehnt oder nicht innerhalb der Frist bearbeitet, stehen Ihnen mehrere Wege offen:

1. Nachhaken und Frist setzen

Manchmal reicht eine höfliche Erinnerung mit erneuter Fristsetzung von 14 Tagen. Verweisen Sie explizit auf die gesetzliche Verpflichtung.

2. Beschwerde bei der Datenschutzbehörde

In Deutschland können Sie sich an den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) oder die zuständige Landesdatenschutzbehörde wenden. In Österreich ist die Datenschutzbehörde (DSB) zuständig. Für Personen mit Bezug zur Schweiz haben wir einen separaten Leitfaden: EDÖB Beschwerde Einreichen.

3. Zivilrechtliche Klage

Als letztes Mittel können Sie den Verantwortlichen auf Löschung verklagen. Zusätzlich haben Sie nach Art. 82 DSGVO Anspruch auf Schadensersatz, wenn Ihnen durch die Nichtlöschung materieller oder immaterieller Schaden entstanden ist.

Praktische Tipps für einen erfolgreichen Antrag

Vorteile eines gut vorbereiteten Antrags

  • ✅ Höhere Erfolgsquote durch klare Begründung
  • ✅ Schnellere Bearbeitung durch strukturierte Darstellung
  • ✅ Bessere Rechtsposition bei späteren Auseinandersetzungen
  • ✅ Dokumentation für weitere Schritte

Häufige Fehler vermeiden

  • ❌ Unklare Angabe der zu löschenden Inhalte (immer exakte URLs!)
  • ❌ Keine oder falsche Rechtsgrundlage angegeben
  • ❌ Fehlende Identitätsverifikation
  • ❌ Zu emotionale oder aggressive Formulierung
  • ❌ Keine Frist gesetzt
  • ❌ Keine Dokumentation des Versands

Digitale Selbstverteidigung: Prävention ist besser als Löschung

Die beste Strategie ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Achten Sie proaktiv auf Ihre digitale Präsenz:

1. Regelmäßiges Selbst-Googeln

Suchen Sie mindestens einmal pro Quartal nach Ihrem Namen und Varianten davon. Nutzen Sie auch die Bilder- und Nachrichtensuche.

2. Datenminimierung praktizieren

Geben Sie im Netz nur das preis, was wirklich nötig ist. Nutzen Sie beim Teilen von Links Dienste wie Lunyb, um Ihre eigentlichen Ziel-URLs zu schützen und Analyse-Tracking von Dritten zu minimieren.

3. Sichere Kommunikationskanäle

Setzen Sie auf verschlüsselte Messenger und Ende-zu-Ende-verschlüsselte E-Mail-Dienste. Vermeiden Sie es, sensible Daten über unsichere Kanäle zu teilen.

4. Sensible Inhalte schützen

Speichern Sie private Fotos und Dokumente nicht ungeschützt in Cloud-Diensten. Ein guter Einstieg dazu ist unser Leitfaden Fotos verstecken mit einem verschlüsselten Tresor.

5. Phishing erkennen

Viele Datenlecks entstehen durch Phishing. Unser Ratgeber Phishing-Angriffe erkennen und vermeiden zeigt, wie Sie sich schützen.

Besonderheiten für Unternehmen

Sind Sie Unternehmer und erhalten selbst Löschanträge, müssen Sie diese sorgfältig bearbeiten. Fehler können zu Bußgeldern von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des Jahresumsatzes führen. Wichtige Pflichten:

  • Antragsteller identifizieren und Anspruch prüfen
  • Innerhalb eines Monats reagieren
  • Bei Ablehnung schriftlich begründen
  • Auf Beschwerderecht bei Aufsichtsbehörde hinweisen
  • Löschung dokumentieren
  • Ggf. auch Empfänger der Daten informieren (Art. 19 DSGVO)

Ausführliche Handlungsempfehlungen finden Sie in unserem Datenschutz-Praxisleitfaden.

Grenzen des Rechts auf Vergessenwerden

Trotz seiner Bedeutung ist das Recht auf Vergessenwerden nicht grenzenlos. Wichtige Einschränkungen:

Öffentliches Interesse überwiegt oft

Insbesondere bei Personen des öffentlichen Lebens, Politikern oder in Fällen mit Bezug zur Zeitgeschichte können Inhalte trotz Antrags online bleiben. Die Meinungs- und Pressefreiheit hat hohes Gewicht.

Territoriale Beschränkung

Der EuGH entschied 2019, dass Google Suchergebnisse nur für EU-Domains entfernen muss – nicht weltweit. Wer google.com direkt aufruft, kann die Inhalte weiterhin sehen.

Backup-Kopien und Archive

Inhalte werden oft im Internet Archive (Wayback Machine) oder in Backups Dritter gespeichert. Diese fallen nicht unter den ursprünglichen Löschantrag und müssen separat angegangen werden.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Bearbeitung eines Antrags auf Vergessenwerden?

Der Verantwortliche muss innerhalb eines Monats reagieren. In komplexen Fällen kann diese Frist um bis zu zwei weitere Monate verlängert werden. Eine Verlängerung muss Ihnen jedoch schriftlich mit Begründung mitgeteilt werden. In der Praxis bearbeiten große Anbieter wie Google Anträge oft innerhalb von 2 bis 8 Wochen.

Kostet ein Antrag auf Löschung Geld?

Nein, der Antrag ist grundsätzlich kostenlos. Nur bei offenkundig unbegründeten oder exzessiven Anträgen (z. B. wiederholte Anträge zum gleichen Thema) darf der Verantwortliche ein angemessenes Entgelt verlangen oder den Antrag ablehnen. Dies ist jedoch die absolute Ausnahme.

Muss ich meine Identität nachweisen?

Ja, der Verantwortliche darf zur Sicherheit einen Identitätsnachweis verlangen, damit keine Daten an unberechtigte Personen gelöscht oder herausgegeben werden. Eine Ausweiskopie ist üblich. Wichtig: Schwärzen Sie alle nicht benötigten Informationen wie Ausweisnummer, Größe oder Augenfarbe.

Kann ich alte Zeitungsartikel löschen lassen?

Grundsätzlich ist das schwierig, da die Pressefreiheit einen hohen Stellenwert genießt. Sie können jedoch verlangen, dass der Artikel aus Suchergebnissen entfernt wird (De-Indexierung), sodass er nicht mehr bei einer Namenssuche erscheint. Der Artikel selbst bleibt dann im Archiv der Zeitung erhalten. Bei sehr alten Berichten mit geringer Relevanz oder bei überholten Verdachtsberichterstattungen bestehen bessere Chancen.

Was tun, wenn der Verantwortliche im Ausland sitzt?

Sitzt der Verantwortliche außerhalb der EU, verarbeitet aber Daten von EU-Bürgern, gilt trotzdem die DSGVO. Sie können den Antrag direkt an den EU-Vertreter des Unternehmens richten (dieser muss nach Art. 27 DSGVO benannt sein) oder sich an Ihre nationale Datenschutzbehörde wenden, die dann Amtshilfe leisten kann.

Fazit

Das Recht auf Vergessenwerden ist ein starkes Instrument zum Schutz Ihrer digitalen Persönlichkeit. Ein gut vorbereiteter Antrag mit klarer Begründung, exakten Angaben und angemessener Frist hat sehr gute Erfolgsaussichten. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn der erste Versuch abgelehnt wird – Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde und rechtliche Schritte sind weitere effektive Wege.

Denken Sie daran: Prävention ist wichtiger als Reaktion. Achten Sie auf Ihre digitalen Spuren, nutzen Sie datenschutzfreundliche Werkzeuge und teilen Sie sensible Informationen nur wohlüberlegt. So bleibt Ihre digitale Identität in Ihrer Hand.

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