Datenbroker: Wer Verkauft Ihre Daten? Der Komplette Guide 2026
Jeden Tag werden Milliarden persönlicher Datensätze gehandelt – ohne dass die meisten Menschen davon wissen. Hinter diesem Milliardenmarkt stehen sogenannte Datenbroker (auch Data Broker oder Datenhändler genannt), die systematisch Informationen über Sie sammeln, anreichern und an Dritte verkaufen. In diesem ausführlichen Guide erfahren Sie, wer diese Akteure sind, welche Daten sie über Sie besitzen und wie Sie 2026 gemäß DSGVO die Kontrolle zurückgewinnen.
Was sind Datenbroker?
Datenbroker sind Unternehmen, die persönliche Informationen von Verbrauchern aus verschiedenen Quellen sammeln, zu detaillierten Profilen verknüpfen und diese an Werbetreibende, Versicherungen, Arbeitgeber, Banken oder sogar Regierungsbehörden verkaufen. Der weltweite Markt für Datenhandel hat 2025 ein Volumen von über 350 Milliarden US-Dollar erreicht.
Anders als Plattformen wie Google oder Facebook, die Daten primär für eigene Werbenetzwerke nutzen, sind Datenbroker reine Zwischenhändler. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, möglichst umfassende digitale Profile zu erstellen und diese gewinnbringend zu monetarisieren – oft ohne direkten Kontakt zu den Betroffenen.
Die drei Haupttypen von Datenbrokern
- Marketing-Datenbroker: Sammeln Konsumgewohnheiten, Interessen und Demografie für gezielte Werbung.
- Risiko-Datenbroker: Liefern Informationen für Bonitätsprüfungen, Versicherungen und Betrugsprävention (z. B. SCHUFA-ähnliche Dienste).
- People-Search-Broker: Bieten öffentliche Suchportale mit Namen, Adressen, Telefonnummern und sozialen Verbindungen an.
Welche Daten sammeln Datenbroker über Sie?
Der Umfang der gesammelten Informationen ist erschreckend detailliert. Ein typisches Profil bei einem großen Datenbroker umfasst zwischen 1.500 und 3.000 einzelne Datenpunkte pro Person.
Kategorien der gesammelten Daten
- Identifikationsdaten: Name, Geburtsdatum, Adresse, E-Mail, Telefonnummer, frühere Wohnorte
- Finanzdaten: Geschätztes Einkommen, Kreditkartennutzung, Immobilienbesitz, Bonitätsindikatoren
- Verhaltensdaten: Browserverlauf, App-Nutzung, Standortverläufe, Suchanfragen
- Gesundheitsdaten: Käufe in Apotheken, Fitness-Tracker-Daten, Krankheitsindikatoren
- Soziodemografie: Familienstand, Kinder, Beruf, Bildungsgrad, politische Ausrichtung
- Beziehungsdaten: Familienmitglieder, Freunde, berufliche Netzwerke
Die größten Datenbroker weltweit und in Deutschland
Der globale Markt wird von wenigen Großkonzernen dominiert, während es in Deutschland zusätzlich spezialisierte Anbieter gibt, die im Rahmen der DSGVO operieren.
| Unternehmen | Sitz | Spezialisierung | Geschätzte Profile |
|---|---|---|---|
| Acxiom (LiveRamp) | USA | Marketing, Konsumprofile | 2,5 Milliarden |
| Experian | Irland/UK | Bonität, Kreditdaten | 1,3 Milliarden |
| Oracle Data Cloud | USA | B2B & B2C Marketing | 5 Milliarden+ |
| SCHUFA | Deutschland | Kreditwürdigkeit DE | 68 Millionen |
| CRIF Bürgel | Deutschland | Wirtschaftsauskünfte | 60 Millionen+ |
| Deutsche Post Direkt | Deutschland | Adress- & Marketingdaten | 40 Millionen Haushalte |
| AZ Direct (Bertelsmann) | Deutschland | Konsumentenmarketing | 70 Millionen+ |
Woher beziehen Datenbroker Ihre Informationen?
Die Quellen sind vielfältig und oft überraschend alltäglich. Hier eine Übersicht der wichtigsten Datenquellen, aus denen Broker ihre Profile speisen.
Die 8 wichtigsten Datenquellen
- Öffentliche Register: Handelsregister, Grundbuchauszüge, Insolvenzbekanntmachungen
- Soziale Netzwerke: Öffentliche Profile, Likes, Kommentare, Verbindungen
- Gewinnspiele und Umfragen: Freiwillig angegebene Daten mit weitreichenden Nutzungsklauseln
- Kundenkartenprogramme: Payback, DeutschlandCard und ähnliche Bonussysteme
- Tracking-Cookies und Pixel: Übergreifende Verfolgung über Webseiten hinweg
- Mobile Apps: Standortdaten, Kontaktlisten, Gerätekennungen
- Datenlecks und Hacks: Geleakte Datenbanken werden in Brokerprofile integriert
- Datenkauf zwischen Brokern: Profile werden untereinander ergänzt und angereichert
Wie viel kosten Ihre Daten?
Der Preis pro Datensatz variiert je nach Detailtiefe und Aktualität. Ein einfaches Werbeprofil kostet wenige Cent, hochwertige Finanz- oder Gesundheitsprofile können hingegen 50 Euro und mehr pro Person bringen.
| Datentyp | Preis (ca.) |
|---|---|
| Basisprofil (Name, Adresse) | 0,05–0,50 € |
| Erweitertes Konsumprofil | 1–5 € |
| Bonitätsauskunft | 3–15 € |
| Gesundheitsbezogene Daten | 15–50 € |
| Komplettes Lifestyle-Profil | 50–200 € |
Risiken: Warum der Datenhandel Sie betrifft
Der Handel mit persönlichen Daten ist kein harmloses Geschäft. Die Konsequenzen reichen von gezielter Manipulation bis zu konkreten finanziellen Nachteilen.
Konkrete Gefahren
- Diskriminierende Preise: Online-Shops zeigen unterschiedlichen Nutzern unterschiedliche Preise basierend auf Profilen.
- Versicherungsablehnung: Gesundheitsdaten können Lebens- oder Krankenversicherungen beeinflussen.
- Kreditverweigerung: Falsche Bonitätsbewertungen führen zu abgelehnten Krediten oder Mietverträgen.
- Identitätsdiebstahl: Detaillierte Profile sind Goldgruben für Kriminelle.
- Stalking und Belästigung: People-Search-Portale machen Adressen leicht auffindbar.
- Politische Manipulation: Microtargeting beeinflusst Wahlentscheidungen (Cambridge Analytica lässt grüßen).
Ihre Rechte nach DSGVO: So wehren Sie sich
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gibt Ihnen seit 2018 weitreichende Rechte gegenüber Datenbrokern. Diese gelten für jedes Unternehmen, das Daten von EU-Bürgern verarbeitet – unabhängig vom Firmensitz.
Ihre wichtigsten Rechte im Überblick
- Auskunftsrecht (Art. 15 DSGVO): Sie können erfragen, welche Daten ein Unternehmen über Sie gespeichert hat.
- Berichtigungsrecht (Art. 16): Falsche Daten müssen korrigiert werden.
- Recht auf Löschung (Art. 17): Das „Recht auf Vergessenwerden“ – mehr dazu in unserem ausführlichen Guide zum Antrag auf Vergessenwerden.
- Widerspruchsrecht (Art. 21): Sie können der Verarbeitung zu Werbezwecken jederzeit widersprechen.
- Datenübertragbarkeit (Art. 20): Sie können Ihre Daten in maschinenlesbarer Form anfordern.
Schritt-für-Schritt: Auskunft bei einem Datenbroker anfordern
- Identifizieren Sie den Broker (Impressum oder Datenschutzerklärung prüfen).
- Finden Sie die Kontaktadresse des Datenschutzbeauftragten.
- Senden Sie eine schriftliche Anfrage per E-Mail oder Einschreiben mit Verweis auf Art. 15 DSGVO.
- Fügen Sie eine Kopie Ihres Ausweises bei (sensible Daten schwärzen).
- Das Unternehmen muss innerhalb von 30 Tagen kostenfrei antworten.
- Bei Verstößen: Beschwerde beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz (BfDI) oder der zuständigen Landesdatenschutzbehörde einreichen.
Präventive Maßnahmen: Weniger Daten preisgeben
Der beste Schutz ist, gar nicht erst zur Datenquelle zu werden. Mit den folgenden Maßnahmen reduzieren Sie Ihren digitalen Fußabdruck erheblich.
10 effektive Schutzmaßnahmen
- Datenschutzfreundliche Browser nutzen: Firefox mit strengen Tracking-Einstellungen oder Brave blockieren viele Tracker.
- Tracker-Blocker installieren: uBlock Origin und Privacy Badger reduzieren die Datensammlung.
- Verschlüsseltes DNS aktivieren: DNS-over-HTTPS verhindert, dass Provider Ihr Surfverhalten mitlesen.
- Cookie-Banner kritisch behandeln: Lehnen Sie alle nicht-essenziellen Cookies ab.
- App-Berechtigungen minimieren: Apps benötigen selten alle angefragten Zugriffe.
- Wegwerf-E-Mail-Adressen verwenden: Für Anmeldungen und Newsletter.
- Soziale Medien restriktiv einstellen: Profile auf „privat“ setzen und Suchmaschinen-Indexierung deaktivieren.
- Kundenkarten meiden: Bonusprogramme sind reine Datensammler.
- URL-Shortener mit Datenschutz nutzen: Anbieter wie Lunyb verzichten bewusst auf invasives Tracking und verkaufen keine Klickdaten an Dritte – im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, wie unser Vergleich Lunyb vs Bitly zeigt.
- Vorsicht in öffentlichen Netzwerken: Mehr dazu in unserem Ratgeber zu öffentlichem WLAN und dessen Risiken.
Daten aktiv löschen lassen: Praktische Anlaufstellen
Wenn Ihre Daten bereits bei Brokern liegen, können Sie aktiv die Löschung beantragen. In Deutschland gibt es mehrere Hilfsangebote, die diesen Prozess unterstützen.
Hilfreiche Ressourcen
- BfDI: Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit bietet Musterschreiben und Beschwerdeformulare.
- Verbraucherzentralen: Beraten kostenlos zu Datenschutzfragen.
- SCHUFA-Selbstauskunft: Einmal jährlich kostenlos unter meineschufa.de
- Robinson-Liste: Eintrag verhindert unerwünschte Werbepost.
- Datenschutz-Dienste: Anbieter wie Incogni oder DeleteMe automatisieren Löschanträge bei dutzenden Brokern.
Datenbroker und Telefonbetrug: Ein gefährlicher Zusammenhang
Viele Daten, die Telefonbetrüger nutzen – etwa beim „Enkeltrick“ oder bei gefälschten Microsoft-Anrufen – stammen aus Brokerdatenbanken. Detaillierte Profile mit Alter, Familienstand und Wohnort erleichtern es Kriminellen, glaubwürdige Geschichten zu erfinden. Wenn Sie Opfer solcher Anrufe geworden sind, lesen Sie unseren Guide, wie Sie eine Betrugsnummer korrekt melden.
Ausblick 2026: Strengere Regeln in Sicht?
Die EU arbeitet 2026 an mehreren neuen Verordnungen, die den Datenhandel weiter einschränken sollen. Der Data Act und die ePrivacy-Verordnung sollen Lücken in der DSGVO schließen und insbesondere das Profiling stärker regulieren. Auch in den USA gewinnen bundesstaatliche Gesetze wie die California Consumer Privacy Act (CCPA) an Bedeutung und zwingen globale Broker zu mehr Transparenz.
Dennoch bleibt der Datenhandel ein Milliardengeschäft, und die Verantwortung für den Schutz der eigenen Privatsphäre liegt zunehmend bei den Verbrauchern selbst. Wer informiert handelt, kann den eigenen digitalen Fußabdruck deutlich verkleinern.
FAQ: Häufige Fragen zu Datenbrokern
Ist der Verkauf meiner Daten in Deutschland legal?
Ja, aber nur unter strengen Voraussetzungen. Datenbroker müssen eine Rechtsgrundlage nach DSGVO vorweisen – meist Ihre Einwilligung oder ein berechtigtes Interesse. Viele Geschäftsmodelle bewegen sich jedoch in einer Grauzone, weshalb Sie jederzeit Auskunft und Löschung verlangen können.
Wie finde ich heraus, welche Datenbroker Daten über mich haben?
Beginnen Sie mit einer Selbstauskunft bei SCHUFA und Crif Bürgel. Suchen Sie Ihren Namen in People-Search-Portalen und nutzen Sie Tools wie „Have I Been Pwned“ für geleakte Daten. Spezialisierte Datenschutz-Dienste können automatisiert prüfen, welche Broker Profile über Sie führen.
Was kostet eine DSGVO-Auskunft bei einem Datenbroker?
Nichts. Nach Art. 15 DSGVO ist die erste Auskunft kostenfrei. Nur bei offensichtlich exzessiven Wiederholungsanfragen darf ein angemessenes Entgelt verlangt werden. Auch die Löschung Ihrer Daten ist kostenfrei.
Wie lange dauert die Löschung meiner Daten?
Der Broker hat 30 Tage Zeit, auf Ihre Löschanfrage zu reagieren (verlängerbar um zwei Monate bei komplexen Fällen). In der Praxis dauert die vollständige Entfernung aus allen Systemen und nachgelagerten Datenbanken oft länger. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 4 % des weltweiten Jahresumsatzes.
Hilft das Löschen meiner Social-Media-Konten gegen Datenbroker?
Teilweise. Es verhindert zukünftige Datensammlung, aber bereits verkaufte Profile bleiben bei Brokern bestehen, bis Sie diese explizit löschen lassen. Eine Kombination aus Konto-Löschung, aktiven DSGVO-Anfragen und präventiven Schutzmaßnahmen ist am effektivsten.
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