facebook-pixel

Datenbroker: Wer verkauft Ihre Daten? Umfassender Leitfaden 2026

L
Lunyb Sicherheitsteam
··8 min read

Datenbroker sind ein milliardenschwerer Industriezweig, der im Verborgenen operiert. Während Sie Ihre täglichen Online-Aktivitäten verrichten, sammeln Hunderte von Unternehmen Informationen über Sie – oft ohne Ihr Wissen oder Ihre ausdrückliche Zustimmung. In diesem umfassenden Leitfaden erklären wir, wer diese Datenbroker sind, wie sie arbeiten und wie Sie Ihre Rechte nach der DSGVO durchsetzen können.

Was sind Datenbroker?

Datenbroker (auch Daten-Händler oder Data Broker genannt) sind Unternehmen, die personenbezogene Daten aus verschiedenen Quellen sammeln, aggregieren, analysieren und an Dritte verkaufen. Diese Daten umfassen demografische Informationen, Kaufverhalten, Standortdaten, Online-Aktivitäten und sogar Gesundheitsinformationen.

Der globale Datenbroker-Markt wird auf über 350 Milliarden US-Dollar geschätzt und wächst jährlich um mehr als 7 Prozent. In Deutschland unterliegen Datenbroker den strengen Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), dennoch findet ein umfangreicher Handel mit personenbezogenen Daten statt.

Die drei Hauptkategorien von Datenbrokern

  1. Marketing-Datenbroker: Sammeln Konsumentendaten für Werbezwecke und Zielgruppenanalysen.
  2. Risiko-Datenbroker: Erstellen Bonitäts- und Risikoprofile für Banken, Versicherungen und Vermieter (z. B. SCHUFA, Creditreform).
  3. People-Search-Datenbroker: Bieten Personensuchdienste an, die Hintergrundinformationen über Einzelpersonen liefern.

Welche Daten sammeln Datenbroker über Sie?

Datenbroker erstellen erstaunlich detaillierte Profile. Ein typisches Profil kann Tausende von Datenpunkten enthalten, die weit über das hinausgehen, was die meisten Menschen vermuten würden.

Typische Datenkategorien

  • Identifikationsdaten: Name, Adresse, Geburtsdatum, Telefonnummer, E-Mail-Adresse
  • Finanzdaten: Einkommen, Kreditwürdigkeit, Kaufhistorie, Zahlungsmethoden
  • Verhaltensdaten: Browsing-Verlauf, App-Nutzung, Suchanfragen, Klickverhalten
  • Standortdaten: GPS-Positionen, besuchte Orte, Reiserouten
  • Demografische Daten: Alter, Geschlecht, Familienstand, Bildung, Beruf
  • Interessen und Vorlieben: Hobbies, politische Ansichten, religiöse Überzeugungen
  • Gesundheitsdaten: Medizinische Zustände, Medikamente, Fitnessdaten

Wie gelangen Datenbroker an Ihre Daten?

Die Methoden der Datenerfassung sind vielfältig und oft überraschend. Die meisten Nutzer sind sich nicht bewusst, wie viele Datenströme täglich Informationen über sie an Broker weiterleiten.

Hauptquellen der Datenerfassung

  1. Öffentliche Register: Handelsregister, Grundbücher, Vereinsregister
  2. Soziale Netzwerke: Profile, Posts, Likes, Verbindungen auf Facebook, Instagram, LinkedIn
  3. Website-Tracking: Cookies, Pixel, Fingerprinting-Technologien
  4. Mobile Apps: SDK-basierte Datensammlung in Apps aller Art
  5. Kundenbindungsprogramme: Payback, Deutschland-Card und ähnliche Programme
  6. Umfragen und Gewinnspiele: Oft als Datensammelmethoden getarnt
  7. Datenkäufe: Von anderen Unternehmen und Partnern
  8. Datenpannen: Leaks und Hackerangriffe speisen Datensätze

Die größten Datenbroker in Deutschland und weltweit

Der deutsche und internationale Markt wird von einigen wenigen großen Akteuren dominiert. Hier ein Überblick über die wichtigsten Datenbroker, mit denen Sie wahrscheinlich bereits in Kontakt gekommen sind.

Datenbroker Hauptsitz Spezialisierung Geschätzte Profile
SCHUFA Wiesbaden, DE Bonitätsauskünfte 68 Millionen
Creditreform Neuss, DE Wirtschaftsauskünfte 24 Millionen
Bisnode (Dun & Bradstreet) Stockholm, SE Business Intelligence 500 Millionen+
Acxiom Arkansas, USA Marketing-Daten 2,5 Milliarden
Experian Dublin, IE Bonität & Marketing 1 Milliarde+
Oracle Data Cloud Kalifornien, USA Werbedaten 5 Milliarden+
LexisNexis New York, USA Rechts- & Risikodaten 84 Milliarden Datensätze

Rechtliche Grundlagen in Deutschland und der EU

Die DSGVO bildet den rechtlichen Rahmen für den Umgang mit personenbezogenen Daten in der EU. Datenbroker müssen eine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung Ihrer Daten nachweisen können – entweder Ihre Einwilligung oder ein berechtigtes Interesse.

Ihre wichtigsten Rechte nach der DSGVO

  • Auskunftsrecht (Art. 15 DSGVO): Sie können erfragen, welche Daten über Sie gespeichert sind.
  • Recht auf Berichtigung (Art. 16 DSGVO): Falsche Daten müssen korrigiert werden.
  • Recht auf Löschung (Art. 17 DSGVO): "Recht auf Vergessenwerden" – Sie können die Löschung verlangen.
  • Recht auf Einschränkung (Art. 18 DSGVO): Sie können die Verarbeitung einschränken lassen.
  • Recht auf Datenübertragbarkeit (Art. 20 DSGVO): Sie können Ihre Daten in einem gängigen Format erhalten.
  • Widerspruchsrecht (Art. 21 DSGVO): Sie können der Verarbeitung widersprechen.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) sowie die Landesdatenschutzbeauftragten überwachen die Einhaltung dieser Vorschriften und können Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen.

Wie Sie Ihre Daten von Datenbrokern löschen lassen

Die Löschung Ihrer Daten aus den Datenbanken von Brokern erfordert Zeit und Hartnäckigkeit, ist aber möglich. Hier ist ein systematischer Ansatz, mit dem Sie Ihre digitale Präsenz drastisch reduzieren können.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Datenlöschung

  1. Identifizieren Sie relevante Datenbroker: Erstellen Sie eine Liste der wichtigsten Broker, die wahrscheinlich Daten über Sie haben.
  2. Senden Sie eine Auskunftsanfrage: Nutzen Sie Art. 15 DSGVO, um zu erfahren, welche Daten gespeichert sind.
  3. Prüfen Sie die Rechtsgrundlage: Fragen Sie nach der Rechtfertigung der Datenverarbeitung.
  4. Fordern Sie die Löschung: Berufen Sie sich auf Art. 17 DSGVO (Recht auf Vergessenwerden).
  5. Setzen Sie eine Frist: Datenbroker haben einen Monat Zeit zur Antwort.
  6. Dokumentieren Sie alles: Behalten Sie Kopien aller Korrespondenz.
  7. Beschwerde einreichen: Bei Nichteinhaltung kontaktieren Sie den BfDI oder die zuständige Landesbehörde.

Musterformulierung für eine Löschungsanfrage

"Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit mache ich von meinem Recht auf Löschung gemäß Art. 17 DSGVO Gebrauch. Ich fordere Sie auf, sämtliche über mich gespeicherten personenbezogenen Daten unverzüglich und vollständig zu löschen. Zudem bitte ich um Bestätigung der Löschung sowie um eine Liste aller Dritten, an die meine Daten weitergegeben wurden..."

Präventive Maßnahmen: So minimieren Sie Ihre Datenspuren

Prävention ist einfacher als nachträgliche Löschung. Mit den richtigen Gewohnheiten und Werkzeugen können Sie die Menge der über Sie gesammelten Daten erheblich reduzieren.

Technische Schutzmaßnahmen

  • Datenschutzfreundliche Browser: Verwenden Sie Firefox, Brave oder den Tor Browser mit strengen Datenschutzeinstellungen.
  • Tracker-Blocker: Browser-Erweiterungen wie uBlock Origin oder Privacy Badger blockieren Tracker effektiv.
  • Verschlüsseltes DNS: Nutzen Sie DNS-over-HTTPS (DoH) mit datenschutzfreundlichen Anbietern wie Quad9 oder Cloudflare 1.1.1.1.
  • Suchmaschinen-Alternativen: Wechseln Sie zu DuckDuckGo, Startpage oder dem deutschen Anbieter Ecosia.
  • E-Mail-Aliasse: Nutzen Sie Dienste wie SimpleLogin oder AnonAddy für Einmal-E-Mail-Adressen.
  • Privatsphäre-freundliche URL-Kürzer: Dienste wie Lunyb verzichten auf aggressives Tracking und schützen beim Teilen von Links Ihre Privatsphäre.

Verhaltensbezogene Maßnahmen

  • Minimieren Sie die geteilten Informationen in sozialen Netzwerken.
  • Lesen Sie Datenschutzerklärungen, bevor Sie Dienste nutzen.
  • Verwenden Sie unterschiedliche E-Mail-Adressen für verschiedene Zwecke.
  • Vermeiden Sie unnötige Kundenbindungsprogramme.
  • Deaktivieren Sie Standortdienste, wenn nicht benötigt.
  • Nutzen Sie Bargeld statt Kartenzahlungen, wenn möglich.

Die Rolle von URL-Shortenern und Tracking

Viele URL-Kürzungsdienste sammeln umfangreiche Daten über Nutzer, die auf verkürzte Links klicken – darunter IP-Adressen, Browser-Fingerprints, Standortinformationen und Verweisquellen. Diese Daten werden teilweise an Datenbroker weitergegeben oder für eigene Werbezwecke genutzt.

Bei der Wahl eines URL-Shorteners sollten Sie auf datenschutzfreundliche Alternativen achten. In unserem URL-Kürzungsdienste-Vergleich 2026 finden Sie eine detaillierte Analyse der verschiedenen Anbieter und ihrer Datenschutzpraktiken. Wenn Sie speziell nach Alternativen zu populären US-Diensten suchen, empfehlen wir unseren Artikel über kostenlose Bitly-Alternativen.

Wann Sie eine Beschwerde einreichen sollten

Wenn ein Datenbroker Ihre Anfragen ignoriert oder unzureichend beantwortet, haben Sie das Recht, bei den Aufsichtsbehörden Beschwerde einzureichen. In Deutschland ist der BfDI die zentrale Anlaufstelle für Beschwerden gegen Unternehmen, die bundesweit tätig sind.

Beschwerdegründe gegen Datenbroker

  • Nichtbeantwortung von Auskunftsanfragen innerhalb eines Monats
  • Verweigerung der Datenlöschung ohne triftigen Grund
  • Weitergabe von Daten ohne Rechtsgrundlage
  • Fehlende oder unvollständige Datenschutzerklärung
  • Datenverarbeitung ohne gültige Einwilligung

Für Leser in der Schweiz haben wir einen separaten Leitfaden zum Einreichen einer Beschwerde beim EDÖB erstellt. Österreichische Nutzer finden in unserem Leitfaden zum Schutz der Online-Privatsphäre in Österreich wichtige regionale Informationen.

Datenbroker und Betrug: Eine gefährliche Verbindung

Datenbroker-Profile werden zunehmend von Kriminellen für gezielte Betrugsversuche genutzt. Mit detaillierten Informationen über ihre Opfer können Betrüger überzeugendere Phishing-Angriffe durchführen, Identitätsdiebstahl begehen oder Social-Engineering-Attacken starten.

Je mehr Daten über Sie im Umlauf sind, desto wahrscheinlicher werden Sie Opfer solcher Angriffe. Unser Leitfaden zum Erkennen und Vermeiden von Phishing-Angriffen bietet praktische Tipps zum Schutz.

Die Zukunft der Datenbroker-Regulierung

Die regulatorische Landschaft entwickelt sich kontinuierlich weiter. Der EU Data Act, der Digital Services Act (DSA) und der Digital Markets Act (DMA) führen neue Vorschriften ein, die den Handel mit personenbezogenen Daten weiter einschränken. In den USA haben Bundesstaaten wie Kalifornien (CCPA) und Vermont erste spezifische Datenbroker-Gesetze erlassen.

Deutschland diskutiert aktuell schärfere Transparenzpflichten für Datenbroker, insbesondere im Bereich der Bonitätsauskünfte. Nach dem SCHUFA-Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Dezember 2023 müssen Scoring-Verfahren detaillierter offengelegt werden.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Datenbrokern

Ist der Handel mit personenbezogenen Daten in Deutschland legal?

Ja, grundsätzlich ist der Handel mit personenbezogenen Daten unter bestimmten Voraussetzungen legal. Die DSGVO erfordert jedoch eine Rechtsgrundlage – entweder Ihre explizite Einwilligung oder ein berechtigtes Interesse des Unternehmens, das die Interessen der Betroffenen nicht überwiegt. Besondere Kategorien wie Gesundheits- oder religiöse Daten unterliegen strengeren Vorschriften.

Wie erfahre ich, welche Datenbroker Daten über mich haben?

Sie können direkt bei den bekanntesten Datenbrokern Auskunftsanfragen nach Art. 15 DSGVO stellen. Beginnen Sie mit SCHUFA, Creditreform, Bisnode und internationalen Anbietern wie Acxiom und Experian. Die Antwort muss innerhalb eines Monats erfolgen und ist kostenlos.

Wie lange dauert die Löschung meiner Daten bei einem Datenbroker?

Nach einer Löschungsanfrage haben Unternehmen gemäß DSGVO einen Monat Zeit zur Umsetzung. In komplexen Fällen kann die Frist um zwei weitere Monate verlängert werden, muss aber begründet werden. Die vollständige Entfernung aus allen Datenbanken und bei Partnern kann jedoch länger dauern.

Was kostet es, Daten von einem Datenbroker löschen zu lassen?

Die Löschung muss nach DSGVO kostenlos erfolgen. Gebühren dürfen nur bei offensichtlich unbegründeten oder exzessiven Anfragen verlangt werden. Falls ein Unternehmen eine Gebühr verlangt, können Sie Beschwerde beim BfDI oder der zuständigen Landesdatenschutzbehörde einreichen.

Können Datenbroker meine Daten auch nach der Löschung weiter nutzen?

Nach einer erfolgreichen Löschung gemäß Art. 17 DSGVO dürfen Ihre Daten nicht weiter verarbeitet werden. Allerdings können bestimmte Daten aus rechtlichen Gründen (z. B. Aufbewahrungspflichten) gespeichert bleiben. Das Unternehmen muss Ihnen genau mitteilen, welche Daten aus welchen Gründen gespeichert bleiben.

Fazit

Datenbroker sind ein wesentlicher, aber oft übersehener Teil der digitalen Wirtschaft. Die DSGVO gibt Ihnen in Deutschland und der EU umfangreiche Rechte, um die Kontrolle über Ihre persönlichen Daten zurückzugewinnen. Mit den in diesem Leitfaden beschriebenen Methoden können Sie Ihre digitale Präsenz systematisch reduzieren und Ihr Risiko für Datenmissbrauch minimieren.

Denken Sie daran: Datenschutz ist ein kontinuierlicher Prozess, keine einmalige Aktion. Überprüfen Sie regelmäßig, welche Daten über Sie im Umlauf sind, und machen Sie konsequent von Ihren Rechten Gebrauch. Jede Löschungsanfrage, jede Beschwerde und jede bewusste Entscheidung für datenschutzfreundliche Dienste trägt dazu bei, Ihre Privatsphäre zu stärken.

Protect your links with Lunyb

Create secure, trackable short links and QR codes in seconds.

Get Started Free

Related Articles